Entwicklung der Handfeuerwaffen

Quelle: www.zielsport.at/vl-em2001/german/waffenentwicklung_deu.html
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Nach dem Niedergang des mittelalterlichen Rittertums wurden neue, leichte Reitergattungen kreiert, die Schnelligkeit mit Feuerkraft verbanden.
Es waren vor allem die Arkebusierreiter - auch Pferdschützen genannt - die ab der Mitte des 16. Jhdts. diesen neuen Reitertyp am besten verkörperten.
Sie führten zwei bis drei Sattelpistolen und ein Kurzgewehr (Arkebuse) mit sich.
Auch die Husaren, eine weitere leichte Reitergattung ungarischen Ursprungs, hatten zu Säbel und Stecher zwei Sattelpistolen. Und selbst die schwer gerüsteten Kürisser, direkte Nachfahren der noch mit der Lanze kämpfenden Kyrisser", die unter dem Einfluß der Feuerwaffe ihre ritterliche Kampfweise aufgegeben hatten, schnallten Pistolen an.

 

 

Eine Zwischenstellung nahmen die Dragoner ein, die ab 1602 in der kaiserlichen Armee nachzuweisen sind und später auch von der steirischen Landschaft aufgestellt wurden. Sie galten ja als mobil gemachte Infanterie und führten deshalb einen längeren Gewehrtyp sowie zwei Sattelpistolen.
Zwei Haupttypen kannte die feuernde Infanterie: den Schützen oder Arkebusierer, der mit dem leichten Schützenrohr (mit Lunten- oder Radzündung) ausgerüstet war und den Musketier, der die weittragende Muskete mit Luntenzündung führte.
Ihnen folgten im 18. Jhdt. nach Durchsetzung des Steinschlosses der Füsilier und der Grenadier mit der Bajonettflinte.

 

 

Vorderlader - Schlösser

Das Luntenschloß

Das Anlegen der Lunte mit der Hand und die unter den Arm geklemmte Büchse lassen kein genaues Zielen zu. Aus diesem Grunde war eine Mechanisierung des Abfeuerns und eine andere Schäftung notwendig. Um 1475 wurde Abzug und Luntenträger gesondert auf eine rechteckige Platte montiert.

 

 

Das Radschloß

Das früheste selbstzündende Schloß war das Radschloß, das 1517 von Johann Kniefuß in Nürnberg erfunden wurde. Hauptelement des Radschlosses war eine Stahlscheibe von etwa 5 bis 6 cm Durchmesser. Der mit einem langen Arm bewegliche Hahn hielt einen Pyrit (Schwefelkies) und wurde auf die Pfanne und die Radkante geklappt, so daß beim Abrollen das Rad Funken schlug und das Pulver entzündete.

 

 

Das Schnapphahnschloß

In der Mitte des 16. Jhdts. wurde ein gänzlich neues Zündungssystem erfunden, das Schnapphahnschloß. Die grundsätzliche Änderung gegenüber dem Radschloß ist, daß jetzt der Hahn das aktive Element wird. Er wird von der Schlagfeder nach vorn geschnellt und trifft mit seinem Feuerstein auf einen über die Pfanne geklappten Feuerstahl. Durch die Vorwärtsbewegung des Hahns wird ein gleitender Pfannendeckel aufgeschoben, so daß die Funken vom Stahl in das Zündpulver fallen können.

 

 

Das Steinschloß

Durch Kombinieren des niederländischen Schnapphahns mit der Batterie des spanischmittelmeerischen Schlosses wurde um 1610 das Steinschloß "erfunden". Weil es einen Feuerstein (französisch "fusil", englisch "flint") zum Funkenschlagen benutzte, wurde das mit dem neuen Schloß ausgestattete Gewehr "Flinte" und der damit ausgerüstete Soldat "Füsilier" genannt. Die Erfindung des Steinschlosses wird der Werkstatt der Brüder Le Bourgeoys in Lisieux (Normandie) zugeschrieben.

 

 

Das Perkussionsschloß

Der schottische Pfarrer Alexander Forsyth (1768 - 1843) entdeckte eine neue Zündmasse, die regen- und windsicher war und den Schuß ohne Vorblitz löste. Um den Zündsatz mit einem scharfen Schlag zu entzünden, mußte er ein neues Schloß erfinden. In Frühjahr 1805 brachte Forsyth mit dem Büchsenschmied James Purdey das neue Schloß auf den Markt. Das Zündhütchen, in dem der Zündsatz mit Firnis eingesiegelt war, wurde über einen längs durchbohrten Zündnippel gestülpt, dessen Durchbohrung in den Zündkanal überging. Der hammerartige Hahn wurde auf das Zündhütchen geschnellt, das so zur Explosion kam.

Die Entwicklung von Schwarzpulver und seine Folgen


Durch die Entwicklung von Feuerwaffen im 15./16. Jahrhundert wurde eine neue Ära der Kriegsführung begonnen. Wenn Gewehre und Kanonen anfangs auch nur als psychologisches Druckmittel dienten, um dem Gegner Angst einzuflößen, schafften sie auch einen erfolgreichen Durchbruch, wenn sie schließlich abgefeuert wurden. Die ersten Geschütze waren zu schwer zum Tragen und nach jedem Schuss mussten sie neu ausgerichtet werden. Außerdem konnte man aufgrund des starken Rückstoßes nicht so genau zielen.

Prüfung einer Schießpulverprobe - sichtlich ein erschreckendes und gefährliches Unterfangen
(aus einer Wiener Handschrift des 15. Jahrhunderts)

Meist wird der Freiburger Mönch Berthold der Schwarze (Berthold Schwarz) als Erfinder des "Schwarz"pulvers genannt. Er verfasste um 1300 Schriften zur Herstellung des Schwarzpulvers. Allerdings schrieben auch der Engländer Roger Bacon und der Deutsche Albertus Magnus schon um 1200 Bücher über Sprengstoffe.Heute ist bekannt, dass die Chinesen das erste Schwarz/Schießpulver erfunden hatten um ihre Feuerwerke zu zünden. Zur Herstellung von Schwarzpulver benötigt man 6 Teile Salpeter, 2 Teile Kohle und 1 Teil Schwefel. Da also große Mengen Salpeter gebraucht wurden, förderten die Regierungen die eigene Salpetergewinnung und Salpetersucher genossen staatliche Privilegien. Zeitweise mussten Bauern ihre Steuern zum Teil in Salpeter abgeben. 

 

Bei der Herstellung von Kanonen wurden die Technik und das Wissen vom Glockengießen genutzt. Dies bedeutete einen riesigen Aufwand, da die ersten Kanonenrohre sehr groß waren. Einer der Pioniere bei der Entwicklung neuer Waffen und Kriegsgeräte war Leonardo da Vinci. Er entwickelte neben Mörsern und Kanonen mit mehreren Läufen auch einen ersten Panzer. Die meisten seiner Erfindungen wurden jedoch aufgrund seiner Aufzeichnungen erst später gebaut.

Kanonengießerei
(Zeichnung von Leonardo da Vinci, um 1490)