Friedrich wird der 1. Preußenkönig

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  CHRONIK

(Teil: I)

Die Errichtung unserer Schützengilde nach ihrem
Wiedererstehen im Jahre 1702.

Bis zum Beginn des 30-jährigen Krieges bestand in Tangermünde wie wahrscheinlich in allen Städten der Kurmark eine Schützengilde, in der man mit der Armbrust nach dem Vogel schoss, ein Scheibenschießen kannte man noch nicht. Die Satzung dieser Gilde aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, die aber auf eine viel frühere Zeit zurückgeht, sind bereits in der Beilage veröffentlicht worden. Diese Gilde ging in den Stürmen des 30-jährigen Krieges zugrunde. Nach Kriegsende hatten die Bürger an andere Dinge als an Lust und Fröhlichkeit zu denken. Der Große Kurfürst war auch kein Freund der gleichen Festlichkeiten, weil sein frommes Gemüt Anstoß daran nahm, dass der Vogel die Gestalt einer Taube hatte, welches an die biblische Auffassung vom heiligen Geist erinnerte. Andererseits sah der Landsherr das Gewehr nicht gern in der Hand des Bürgers, weil das Platzen und Schießen allerhand Erschrecken bei Schwangere, Kranke und alte Leute, sondern auch oftmals großes Unglück und Feuersgefahr mit sich führet. Auch fürchtetet er für seine Heiden und Wildbahnen, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit arg gelitten hatten.

Anders sein Sohn Friedrich, der erste Preußenkönig. Er ordnete eine Landmiliz an, die 1703 in Tangermünde aus drei Kompanien mit einem Kapitän an der Spitze, aus 30 Offizieren und 275 Gemeinen bestand. Bewaffnet war die Miliz mit Flinten, 4 Fuß 10 Zoll lang und zwei Lot (altes Apothekergewicht) im Kaliber und drei Degen an gelben Leibgehängen. Um die Bürgerschaft wehrhaft zu machen, bestimmte der König, dass niemand der Bürger- und Meisterrecht erhalten sollte, der nicht Degen und Flinte aufweisen konnte. Nach einer Aufstellung aus jener Zeit waren fast alle Bürger damit ausgerüstet. Jeder Schütze erhielt jährlich 8 Groschen aus der von seinem Vater eingerichteten Akzisekasse (Steuer).

Mit Liebe zu den Waffenübungen erstanden auch wieder die Schützengilden, die durch den König jegliche Förderung fanden. Auf Spezialbefehl des Königs vom 14. Februar 1702 genehmigte derselbe auf untertänigstes ansuchen der ganzen Stadt die Errichtung einer Schützengilde, später Schützengesellschaft genannt, und bestimmte, dass der Gilde jährlich 25 Taler zu einer Ergötzlichkeit aus der Akzisekasse gereicht werden sollte. Gleichzeitig wurde das Schießen nach der Scheibe vom König angeordnet, und der Kriegs- und Steuerrat Schmeleisen in Stendal arbeitete 1705 die Satzung dazu aus unter dem Titel: Prospekt welchergestalt es bei demangeordneten Scheiben Schießen in denen Immediat (unmittelbar/ohne Vermittlung) als auch Amtsstädten in der alten Mark zu halten. Die aufgestellten Satzungen Um guter Ordnung willen und dass das Schießen unter der Bürgerschaft im Schwange gebracht werden möge bestehen aus 22 Punkten. Danach sollten zwei oder drei Gildemeister aus den vornehmsten Gilden der Gewandschneider oder Brauer, die auch dem Rate angehören sollten, erwähnt werden: der älteste Gildemeister sollte die Schützenlade mit dem Privilegium und den sonstigen Dokumente, auch die Gelder der Gilde, in Verwahrung nehmen. Zur Gilde sollten in erster Linie Enrollierten, die zum Militärdienst vorgesehenen Bürger, angenommen werden, doch sollten keine alte, abgelebte, noch gar junge Leute, die das Gewehr nicht recht führen konnten, angenommen werden.

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Zur Erbauung eines Schießhauses soll jeder Aufgenommene ein Einkaufsgeld in Höhe von 1-3 Talern erlegen. Jeder Angehörige der Gilde musste mit einem eigenen Gewehr nach königlicher Verordnung versehen sein. Beim Zielschießen kam nur der Schuss aus dem eigenen Gewehr in Betracht. Beim Königs- und den Freischießen waren alle tumultuarischen Auftritte, Gezänk und Schlägereien streng verboten, desgleichen auch beim Ein- und Ausführen des Königs. Geschossen durfte nur mit einem glatten Rohr werden; der Gebrauch von gezogenen Rohren war untersagt. Der Schuss aus solchem Rohr sollte nicht gelten, wenn er auch der Beste war. Wer dawider handelte, sollte der Gilde zur Buße verfallen sein. Ein beim Schießen schadhaftes Gewehr durfte gegen ein anderes ausgetauscht werden. Falls der Schütze keine Flinte geliehen bekam, bestimmte der älteste Gildemeister durch das Los oder durch Ziehung eines markierten Zettels den Schützen, der sein Gewehr zur Verfügung stellen musste. Es sollte auf eine Entfernung von 115-125 Schritt geschossen werden. Die refugierten (geflüchteten) Franzosen in Berlin schossen zum König auf 100 Schritt, beim Freischießen auf 150 Schritt, mit gezogenen Rohren bis auf 230 Schritt. Geschossen wurde aus freier Hand, nicht auf- noch angelegt.

Wer zum Königsschießen mitstechen wollte, musste zuvor sechs Schuss in der Kernscheibe sitzen haben. Wer fehlte, durfte wohl um die ausgesetzten Geldgewinne und zum Ritter, nicht aber zum König schießen. Der 7. Schuss geschah zum König und war der Stichschuss. Die Stichscheibe sollte etwas kleiner als die Kernscheibe sein. Letztere war weiß mit schwarzem Zentrum, erstere umgekehrt. Wenn keiner die geforderten sechs Schuss auf die Kernscheibe brachte, durfte nicht gestochen werden; König wurde dann, wer die meisten Kernschüsse hatte. Zur Erbauung eines Schießhauses schlug der Steuerrat vor, die Hälfte der Prämie eines Schützenkönigs auf sechs Jahre in die Schützenkasse zu tun, auch das Geld für das Königsmahl zu verwenden. Es sollte jedoch den Schützenkönig freistehen, eine Königsmahlzeit zu geben. es wird aber dabei alles schmausen und Vollsauferei gänzlich untersaget.

Nach Oben

Nach gehaltenem Königsschießen gibt der König der Kompanie ein Freischießen. Die anderen Schützenbrüder sind verpflichtet, je nach Größe der Kompanie wöchentlich oder jede zweite Woche gleichfalls ein Freischießen zu geben und zwar bis in den Herbst hinein. Es können auch wöchentlich zwei bis drei Freischießen gehalten werden. Wer ein Freischießen geben will, muss solches den Tag zuvor der Kompanie durch den Schützenkrüge oder durch den Zielet ansagen lassen. Auf dem Schützenplatz öffnet der Gildemeister die Lade, und jeder Teilnehmer hat vier bis acht Groschen zu erlegen. Bei dem Freischießen dürften nur drei Schüsse getan werden, der vierte war der Stichschuss. Die Stichscheibe sollte halb so groß wie die Kernscheibe sein. Wer von den drei Kernschüssen einen fehlte, sollte zu dem Hauptgewinn nicht mitschießen dürfen, er blieb Ritterschütze. Jeder durfte mehrmals zu den Gewinnen schießen, musste aber jedes Mal neu einlegen. Die Gewinne bestanden aus den Einlagen der beteiligten Schützen. Wenn z. B. 20 Schützen je 6 Groschen gaben, kamen 5 Taler ein (24 Groschen sind 1 Taler). Fielen die letzen 5 Schützen aus, so sollten deren Einsatz von 1 Taler 6 Groschen der Kasse zugute kommen. Die übrigen 3 Taler 18 Groschen sollten unter die Teilnehmer nach dem Verhältnis der Leistungen verteilt werden, wobei zwei Hauptgewinne, für die der Einsatz des Veranstalters des Schießens verwendet wurde, gemacht werden sollten.

Zur Herstellung der Kernscheibe hatte jeder Schütze beizutragen. Der Zielet wurde mit vier bis sechs Groschen aus der Lade bezahlt; zum Königsschießen bekam er doppelt. Außerdem hatte der König 8-12 Groschen zum Geschenk zu geben. Wer beim gewöhnlichen Freischießen den Nagel in der Scheibe traf, hatte dem Schützenkrüge oder dem Zielet einen Groschen zu entrichten. Nach beendigtem Schießen traten die Schütze im Kreise zusammen, und der Veranstalter des Freischießens zahlte aus seinem Einsatz die Hauptgewinne aus, während der Gildemeister die Gewinne an die übrigen Schützen verteilte. Zum Schluss sollte jeder Schütze etwas in die Armenkasse geben, jedoch nicht unter drei Pfennige. Darauf sollte der Veranstalter allen Teilnehmern danken und Sie bitten, mit dem Gewinn zufrieden zu sein. Hierauf hatte er dem Geber des nächsten Schießen eine Zitrone zu überreichen, oder, wenn dergleichen nicht zu bekommen, einen Kranz von Rosen oder anderen Blumen. Wenn alles beendigt, gehet Jeder Mann friedlich nach Hause. Wahrscheinlich ist nach diesem Satzungsentwurf auch unsere Gilde eingerichtet worden. Sie wurde aufgehoben als die französisch-westfälische Regierung 1808 in Kraft trat, wurde dann als Schützengesellschaft nach den ersten Freiheitskriegen am 24. Juli 1814 wieder ins Leben gerufen.

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